Infiziert? Nur der HIV-Test gibt Aufschluss
Äußerlich erscheint der Infizierte völlig gesund, innerlich breiten sich die Viren jedoch ungehindert aus. Die Anzeichen von AIDS treten oft mit jahrelanger Verzögerung auf. Sie können von Fieber über Durchfall bis zu Hautausschlägen reichen. Ein erster Bluttest zeigt, ob es Indizien für das Virus gibt. Ist das der Fall, sorgt ein zweiter Test für definitive Bestätigung oder kann Entwarnung geben.Im Überblick
Die Diagnose einer
HIV-Infektion lässt sich bei den meisten Menschen durch den HIV-Test nach zehn bis zwölf Wochen nachweisen und kann in der Regel nur indirekt, d.h. über den Nachweis virusspezifischer
Antikörper im Blut, gestellt werden. In ganz seltenen Fällen werden Antikörper erst später als drei Monate nach einer Infektion gebildet. Liegt also eine Ansteckung drei Monate oder länger zurück, wird sie nahezu zuverlässig angezeigt. Ein kürzerer Abstand nach einer möglichen Infektion kann zu einem falsch-negativen Ergebnis führen, weil noch nicht genügend testbare Antikörper gebildet wurden. Die Testung auf HIV-Antikörper erfordert grundsätzlich mindestens zwei unterschiedliche Tests:
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Der Suchtest (ELISA)
In einem ersten Suchtest (ELISA) wird nach den
Antikörpern gegen das HI-Virus gesucht. Es kann vorkommen, dass manchmal auch andere Antikörper mitreagieren. Aus diesem Grund muss ein positives Ergebnis (= Antikörper gegen HIV vorhanden) in diesem Test durch einen Bestätigungstest überprüft werden. So wird sichergestellt, dass nicht irrtümlich ein falsch-positives Ergebnis übermittelt wird. Ein HIV-Test darf nur mit der schriftlichen Einwilligung des Patienten erfolgen. In den ersten drei Monaten nach einer
Infektion kann man eine Ansteckung nicht mit Sicherheit bestätigen. In dieser Zeit ist die Gefahr, dass ein bereits mit HIV Infizierter ohne Wissen um seine Krankheit weitere Personen ansteckt, besonders hoch.
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Der Bestätigungstest (Western-Blot)
Hierfür ist in Deutschland ein sogenannter Western-Blot oder ein Immunfluoreszenz-Test (IFT oder IFA) vorgeschrieben. Der Western-Blot ist eine Methode, bei der das Virus in Zellkulturen vermehrt und in seine Bestandteile zerlegt wird. Anschließend werden die so aufgetrennten Virusproteine auf eine Nitrocellulose-Membran übertragen (geblottet) und mit Patientenserum in Verbindung gebracht. Sind darin
Antikörper gegen entsprechende virale Proteine vorhanden, binden sich die Antikörper an diese Proteine. Diese Antigen-Antikörper-Reaktion wird auf einem Teststreifen sichtbar gemacht.
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Symptomfrei – krank oder gesund?
Nach erfolgter
Infektion mit HIV beginnt eine meist langjährige Phase, die weitgehend frei von spürbaren Krankheitszeichen (Symptomen) ist. Während die Krankheit beim Infizierten zwar über längere Zeit noch nicht ausbrechen muss, greift das Virus aber bereits sein
Immunsystem an. Nach durchschnittlich zehn Jahren ist dieser Schaden so groß, dass das Immunsystem zusammenbricht. Der Infizierte wird das Opfer verschiedener Infektionskrankheiten, die einem gesunden Menschen in der Regel nichts anhaben können. In diesem Stadium spricht man vom Vollbild AIDS.
Die Wissenschaft verfügt noch nicht über ausreichende Langzeitdaten, da die Krankheit erst 1981 entdeckt wurde. Dennoch geht man heute davon aus, dass fast jeder HIV-Infizierte früher oder später auch AIDS entwickelt. Die Dauer der Latenzzeit (= Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit) hängt wahrscheinlich auch von der Menge an HI-Viren ab, die der Infizierte im Körper hat. Diese kann beispielsweise durch eine „verseuchte“ Bluttransfusion sehr hoch sein. Ohne Therapie entwickelt sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit (2 bis mehr als 20 Jahre) eine Immunschwäche mit charakteristischen Krankheitsbildern. Außerdem kann die Latenzzeit auch von den verschiedenen Virusstämmen abhängen sowie von der gleichzeitigen Anwesenheit anderer Krankheitserreger, wie z. B.
Herpes-Viren. Auch die Lebensführung kann Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben.
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Die Phasen einer HIV-Infektion: Von HIV zu AIDS
Auch wenn äußerlich zunächst nichts zu sehen ist, reagiert der Körper unmittelbar auf eine HIV-Infektion: Es kommt zu einem raschen Anstieg der Viruskonzentration im Blut. Gleichzeitig sinkt die Zahl der CD4-T-Lymphozyten. Nur eine Blutuntersuchung kann darüber Aufschluss geben, ob man infiziert ist und in welchem Stadium der Infektion man sich befindet. Einzelne Laborwerte sind hierbei wichtige Marker (siehe Tabelle unten). Auch wenn keine Veränderung der klinischen Symptome (Krankheitszeichen) zu beobachten ist, können diese Daten indirekt Aufschluss über den Krankheitsverlauf geben. So sind z.B. die Anzahl der CD4-Zellen und die Menge der HI-Viren im Blut (Viruslast) wichtige Werte.
Marker Immunsystem
|
Normalwerte |
| CD4-Zellen (Anzahl) |
800 bis 1.500/l |
| CD4-Zellen (%) |
28% bis 58% |
| CD8-Zellen (Anzahl) |
300 bis 800/l |
| CD4/CD8-Quotient |
2,13 (+/- 0,92) |
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Die CD4-Zellen gehören zur Gruppe der
Lymphozyten (Form der weißen Blutkörperchen). Ihre Konzentration im Blut gibt uns einen Hinweis darauf, ob das
Immunsystem noch funktionsfähig ist oder nicht. Diese CD4-Zellen werden durch HIV infiziert und in ihrer Anzahl reduziert. Sinkt ihre Zahl unter 200 pro Mikroliter Blut, ist der Infektionsschutz lückenhaft. Diese Anzahl dient dem Arzt dann als Hinweis, wann man mit einer
antiretroviralen Behandlung beginnen sollte. Die CD8-Zellen sind die Gegenspieler der CD4-Zellen. Man nennt sie auch T8-Suppressorzellen, da sie in der Lage sind, Immunantworten zu unterdrücken (engl. to suppress = unterdrücken).
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Symptome einer akuten HIV-Infektion
Zunächst kommt es bei 40 bis 90 Prozent der Infizierten zwischen einer und sechs Wochen nach Übertragung des
Virus zu einer grippeähnlichen Symptomatik mit Fieber, Hals- und Gliederschmerzen sowie Lymphknotenschwellungen. Dies wird als akute HIV-Krankheit bezeichnet. Anschließend können mehrere Jahre ohne Symptome vergehen, in denen sich das Virus im Körper vermehrt und nach und nach Immunzellen zerstört. Die Zeit von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen ist sehr unterschiedlich und reicht von wenigen Tagen bis hin zu Wochen. Auch die Symptomatik ist sehr unterschiedlich und kann dem Pfeifferschen Drüsenfieber (Mononukleose) ähneln. Im Allgemeinen treten folgende Symptome auf:
- Fieber
- Lymphknotenschwellungen
- Abgeschlagenheit
- Kopf und Gliederschmerzen
- Durchfall
Auch Hautausschläge kommen vor. In wenigen Fällen kann es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) durch das Virus kommen. Diese akuten Erkrankungszeichen klingen nach einiger Zeit jedoch wieder ab. Nach der akuten Erkrankung kommt ein mehr oder weniger langes Stadium, in dem sich der Infizierte völlig gesund fühlen kann.
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Das Vollbild AIDS
Das Vollbild AIDS oder AIDS-Stadium wird vor allem durch das Auftreten opportunistischer Infektionen und Malignomen (bösartige Geschwulste) bestimmt, den sogenannten AIDS-definierenden Erkrankungen. Als typisches Malignom bei AIDS gilt das
Kaposi-Sarkom. Je nach Zahl der CD4-Zellen treten diese Erkrankungen in unterschiedlicher Ausprägung auf; umso heftiger, je stärker das Abwehrsystem beeinträchtigt ist. Die Erreger sind
Bakterien, Pilze,
Viren und
Parasiten, die normalerweise von einem gesunden Immunsystem in Schach gehalten werden.
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Zahlreiche Erreger können den Körper attackieren
Ist das
Immunsystem durch das HI-Virus geschwächt, kann es den Kampf gegen Krankheitserreger kaum noch gewinnen. Pilzerkrankungen, Herpesinfektionen, viele andere Infektionen und nicht zuletzt Krebs können deshalb im Krankheitsverlauf immer häufiger auftreten. Konsequente Behandlung mit den antiviralen AIDS-Medikamenten ist deshalb dringend nötig, um die Virenmenge einzugrenzen und damit das Immunsystem möglichst lange aktionsfähig zu halten.
Opportunistische Infektionen sind Infektionen, die durch
Bakterien,
Viren,
Parasiten oder Pilze verursacht werden, wenn das Immunsystem nicht mehr intakt ist und so die Erreger nicht mehr abwehren kann. Bei einer HIV-Infektion mit einem zunehmenden Immundefekt verlaufen solche Infektionen oft sehr schwer. Vor dem Auftreten dieser Krankheiten gilt ein Patient lediglich als HIV-positiv, jedoch noch nicht als AIDS-Kranker. Deshalb werden die folgenden Krankheiten im Zusammenhang mit HIV auch als AIDS-definierende Erkrankungen bezeichnet.
Seit der Einführung der hochwirksamen
antiretroviralen Therapie (HAART) treten opportunistische Infektionen nicht mehr so häufig auf. Dies hängt damit zusammen, dass unter der Therapie die Zahl der körpereigenen Abwehrzellen (CD4-Zellen) auf hohem Niveau bleibt.
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Pneumocystis jirovecii Pneumonie (PjP)
Die durch den Erreger Pneumocystis jirovecii verursachte Lungenentzündung (Pneumonie) ist meist das erste Anzeichen von AIDS. Seit Neuestem wird dieses Krankheitsbild den Pilzinfektionen zugeordnet. PjP beginnt eher schleichend, mit anhaltendem trockenem Husten, Fieber und Luftnot bei körperlicher Betätigung. Der Röntgenbefund der Lunge zeigt ein typisches Bild, was eine Abgrenzung zu den sogenannten Bronchopneumonien zulässt. Zur Behandlung setzt der Arzt in der Regel das Medikament Cotrimoxazol über einen Zeitraum von 21 Tagen ein. Zur Unterstützung verschreiben viele Ärzte in den ersten 14 Tagen der Krankheit auch Kortisonpräparate. Diese hemmen die entzündlichen Prozesse im Lungengewebe und helfen so, die Funktion der Lunge zu verbessern.
Bevor es eine wirksame medikamentöse Therapie gab, erkrankten circa 60–80 Prozent der HIV-Infizierten an dieser Form der Pneumonie. Akute und schwere Formen der PcP kommen heute jedoch nur noch bei Menschen vor, die von ihrer HIV-Infektion nichts wissen oder der PjP nicht konsequent genug vorbeugen.
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Candida-Pilzinfektion
Das durch Candida hervorgerufene Krankheitsbild Soor (Candidiasis, Candidose) ist die häufigste Pilzerkrankung bei Menschen mit HIV. Erkennbare Zeichen sind weißliche Ablagerungen auf den Zahnhälsen und in den Zahntaschen, auf der Zunge, an der Wangenschleimhaut und am hinteren Rachen. Ist der Pilzbefall auf die Mundhöhle beschränkt, genügen manchmal Lutschtabletten und Lösungen zum Auftragen, häufig ist jedoch eine systemische Therapie, z.B. mit Fluconazol oder Itraconazol notwendig. Candida gehört auch mit zur natürlichen Schleimhautbesiedelung (Flora) des Magen-Darm-Traktes. Eine Behandlung mit
Antibiotika zerstört die normale Flora, was dazu führen kann, dass sich Candida und andere Pilze übermäßig vermehren. Um die gesunde Darmflora wiederherzustellen, kann u. a. Naturjoghurt helfen. Die darin enthaltenen Milchsäurebakterien wirken regulierend auf die Darmflora.
Der Vaginalsoor ist ein weiteres häufiges Problem. Beschwerden sind Juckreiz, Brennen, Ausfluss und Fremdkörpergefühl. Zur Vorbeugung eignen sich Scheidenzäpfchen, die Milchsäure oder Milchsäure produzierende Keime enthalten und das gesunde Scheidenmilieu wieder aufbauen.
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Toxoplasmose
Die Toxoplasmose ist für Menschen mit einem gesunden
Immunsystem eine vergleichsweise harmlose Erkrankung. Viele
Infektionen werden gar nicht bemerkt. Der verantwortliche Erreger Toxoplasma gondii ist ein
Parasit, der sich über rohes oder nicht richtig durchgegartes Fleisch und durch Katzenkot (z. B. bei Reinigung des Katzenklos) überträgt. Er vermehrt sich dann bevorzugt in den Zellen des Gehirns, kann sich jedoch auch in allen anderen Zellen des menschlichen Körpers entwickeln.
Die Krankheit ist nur in zwei Fällen kritisch: bei Schwangeren und bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, wie das bei HIV-Infizierten der Fall ist. Kommt es zu einer Infektion während der Schwangerschaft, kann Toxoplasmose das Leben des Fötus gefährden. Bei einer vorliegenden
HIV-Infektion führen die im Gehirn durch den Parasiten eingelagerten
Zysten zu schweren Entzündungen. Die häufigsten Symptome sind dann Kopfschmerzen, Fieber, Krampfanfälle, Gleichgewichtsstörungen, Lähmungserscheinungen und Veränderungen am Augenhintergrund. Die betroffene Person kann sich auch im Wesen ändern.
Wird die Toxoplasmose bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem frühzeitig erkannt und behandelt, bestehen gute Aussichten auf Heilung. Unbehandelt führt sie innerhalb weniger Wochen zum Tode. Behandelt wird meist mit einer Kombination aus verschiedenen antiparasitär wirkenden Medikamenten.
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Herpes (HSV)
Herpes gehört zu den Viruserkrankungen der Haut. Es gibt zwei unterschiedliche Herpes-Erkrankungen: Herpes labialis und Herpes genitalis. Ursache sind zwei verschiedene Virustypen:
Herpes-Simplex-Typ 1 (Herpes labialis) verursacht schmerzhafte, juckende Bläschen an den Lippen und im Bereich der Mundwinkel.
Herpes-Simplex-Typ 2 wird häufig beim Geschlechtsverkehr übertragen und befällt den Genital- und Analbereich (Herpes genitalis). Die Bläschen können sich über größere Hautflächen ausdehnen. Bei Frauen sind meist die Schamlippen betroffen. Weitere Symptome sind unter anderem geschwollene Lymphknoten in der Leistengegend sowie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen. Nach einer
Infektion verbleibt das Herpesvirus lebenslang in den Nervenzellen des Körpers. Durch Stress, Übermüdung, Anspannung, Fieber, Infektionen und intensives Sonnenbaden, durch die Monatsblutung oder in der Schwangerschaft kann es wieder aktiviert werden.
Bei einer Immunschwäche kann Herpes gefährliche Ausmaße annehmen. Die Bläschen heilen kaum ab und können große Hautareale bedecken. Es kann auch zu einer „Superinfektion“ der Bläschen mit
Bakterien und Pilzen kommen. Die Herpesviren können sich massiver als unter „gesunden“ Umständen verbreiten. Gefürchtet sind hier der Herpesbefall der Augen oder ein Befall des Nervensystems.
Je nach Ausdehnung kommen antivirale Wirkstoffe lokal oder systemisch (Tabletten, Infusionen) zum Einsatz. In der Regel werden Aciclovir, Valaciclovir oder Famaciclovir verwendet.
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Gürtelrose (Herpes zoster)
Die Gürtelrose (Herpes zoster) wird, wie die Windpocken, durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst. Bei der ersten Ansteckung entstehen Windpocken. Die Viren verbleiben im Körper und können bei einer schlechten Abwehrlage wieder aktiviert werden: Es entwickelt sich eine Gürtelrose.
Charakteristisch sind juckende, schmerzhafte Bläschen, die sich anfangs meist nur auf einer Körperhälfte auf eng umgrenzter Hautfläche bilden. Die Schmerzen können auch noch lange nach dem Abklingen der Hauterscheinungen bestehen bleiben. Man spricht dann von einer postzosterischen Neuralgie (post = lat. nach), also Nervenschmerzen nach der Virusinfektion.
Bei Immundefekten wie HIV kann sich die Infektion auf den gesamten Organismus ausbreiten, bis hin zu einer Lungenentzündung. Eine Gürtelrose im Gesicht kann schwere Folgen haben, wenn das Virus auf Augen, Ohren oder Hirnhäute übergreift. Deshalb sollte schnell eine antivirale Therapie begonnen werden, um einen schlimmen Krankheitsverlauf eindämmen zu können. Bei schweren Verläufen und besonders bei einer Gürtelrose im Gesicht ist es günstig, eine Behandlung im Krankenhaus fortzuführen. Zum Einsatz kommen Salben und antivirale Medikamente und Infusionen, wie Aciclovir, Valaciclovir, Famaciclovir oder Brivudin. Wichtig ist auch eine wirksame Schmerztherapie, da es im Verlauf der Erkrankung zu starken Schmerzen kommen kann.
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Zytomegalie (CMV)
Das Zytomegalievirus (CMV) lässt sich bei einem Großteil der Bevölkerung im Blut oder im Urin anhand von CMV-Antikörpern nachweisen. Zytomegalie-Viren können sich in verschiedenen Organen ansiedeln. Betroffen sind meist der Verdauungstrakt und die Netzhaut (Retina), seltener die Lunge und das Gehirn. Die Infektion verläuft bei Gesunden meistens ohne Symptome. Bei HIV-Infizierten tritt in 40 Prozent der Fälle eine CMV-Erkrankung auf. Meistens handelt es sich hierbei um eine erneute Aktivierung einer Infektion, die einem Gesunden nicht schaden würde. Häufig ist hier die CMV-Retinitis, auch sogenannte HIV-Retinitis, eine Entzündung der Netzhaut. Wenn sie nicht behandelt wird, kann sie sehr rasch zur Erblindung führen. Verschwommenes, unscharfes Sehen und Lichtblitze sind Warnsignale. Manchmal bereitet auch das räumliche Sehen plötzlich Probleme, oder es kommt zu Einschränkungen des Gesichtsfeldes. Bei den kleinsten Sehveränderungen sollte man unbedingt einen Augenarzt aufsuchen, der sich mit HIV-Infektionen auskennt.
Eine Zytomegalie-Infektion behandelt der Arzt mit antiviralen Medikamenten in Form von Tabletten oder Infusionen. Die Infusionen sind wirksamer, haben allerdings auch mehr Nebenwirkungen. Die Behandlung muss nach Abklingen der Beschwerden lebenslang fortgesetzt werden. Zuerst kommen die Medikamente in hoher Dosis zum Einsatz. Diese „Induktionstherapie“ dauert in der Regel drei Wochen. Danach wird in niedriger Dosierung weiter behandelt; ohne diese „Erhaltungstherapie“ würde die CMV nach wenigen Wochen erneut ausbrechen. Als Wirkstoffe werden Ganciclovir, Foscarnet, Cidofovir oder Valganciclovir eingesetzt.
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Atypische Mykobakteriosen (MAC)
Mykobakterien sind weit verbreitet und verursachen im Normalfall bei intaktem
Immunsystem keine nennenswerten Krankheitszeichen. Die Erreger gelangen über die Atmung in die Lunge oder über den Mund in den Magen-Darm-Trakt. Jeweils dort angekommen bilden sie Kolonien und können sich bei einem schwachen Immunsystem, wie das bei HIV-Patienten der Fall ist, ausbreiten. Mehr als 90 Prozent aller Erkrankungen bei HIV-Infizierten werden durch diese Erreger verursacht.
Bei einem Befall der Lunge mit dem Mykobakterium-avium-Komplex (MAC) treten Symptome auf, die einer Lungenentzündung sehr ähnlich sind. Fieber, Husten mit Auswurf, starke Gewichtsabnahme oder Nachtschweiß können Hinweise auf eine Erkrankung durch Mykobakterien sein. Der Arzt behandelt hier mit einer speziellen Kombination von
Antibiotika, wobei er stets auf mögliche Wechselwirkungen mit antiretroviralen Medikamenten achtet.
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Weitere Infektionen durch Parasiten
Bei HIV-Infizierten kommt es häufig zu Durchfallerkrankungen, ausgelöst durch bestimmte Darmparasiten (Protozoen). Das sind in den meisten Fällen die sogenannten Kryptosporidien und die Mikrosporidien. Erkrankungen mit diesen
Parasiten führen zu lang anhaltenden schweren Durchfällen mit Übelkeit und Krämpfen. Bei Gesunden sind diese Erkrankungen meist nicht von langer Dauer und verlaufen mit schwachen Symptomen. Durch die Wiederherstellung des Immunsystems durch die
HAART (hochaktive antiretrovirale Therapie) kann es schon zu einer Ausheilung der Erkrankung kommen.
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Malignome (bösartige Geschwulste)
HIV-Infizierte haben durch ihr geschwächtes Immunsystem ein erhöhtes Risiko, an Tumoren wie dem
Kaposi-Sarkom und dem
Non-Hodgkin-Lymphom zu erkranken. Die Krankheiten verlaufen in der Regel auch wesentlich aggressiver als bei Nicht-Infizierten. Erschwerend für den Betroffenen kommt noch hinzu, dass die Diagnose vielfach erst in einem fortgeschrittenen Tumorstadium gestellt wird. Eine Erfolg versprechende Therapie sollte im Idealfall genauso ablaufen wie bei einem Tumorkranken ohne HIV-Infektion. Dies kann aber nur dann geschehen, wenn das
Immunsystem noch nicht entscheidend geschwächt, also die Viruslast noch nicht sonderlich hoch ist. Die hier beschriebenen Malignome gelten neben den opportunistischen Infektionen als AIDS-definierend.
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Kaposi-Sarkom
Das Kaposi-Sarkom (benannt nach seinem Entdecker Moritz Kaposi, 1872) ist ein besonders bösartiger und aggressiver
Tumor. Die Wissenschaft kennt zwei Arten:
- das klassische idiopathische (ohne Ursache entstandene) Kaposi-Sarkom
- das disseminierte Kaposi-Sarkom (DKS): Es tritt bei AIDS auf, ist sehr viel häufiger als die klassische Form und der Krankheitsverlauf ist aggressiver.
Etwa 30 Prozent aller AIDS-Kranken bekommen ein DKS. Es kann in jeder Phase der HIV-Infektion bis hin zur eigentlichen AIDS-Erkrankung entstehen. Als Hauptsymptom treten viele kleine, hellrote Flecken auf, die sich mit der Zeit zu derben braunroten bis bläulichen Knoten entwickeln. Die Knoten neigen dazu, Geschwüre zu bilden. Die Größe der Tumoren schwankt zwischen stecknadel- bis handtellergroß. Sie können auch innere Organe durchsetzen und dort zu lebensgefährlichen inneren Blutungen führen. Ein direkter Zusammenhang zwischen DKS und HIV ist bis heute noch nicht erwiesen. Eine HIV-Infektion scheint zwar für den Tumor Voraussetzung zu sein, kann aber nicht der direkte Auslöser sein, weil nur ungefähr ein Drittel aller von AIDS Betroffenen daran erkranken. Neben der Behandlung der AIDS-Infektion gibt es noch die Möglichkeit der chirurgischen Entfernung, der Strahlentherapie und die Vereisung mit flüssigem Stickstoff. Auch der Einsatz von Medikamenten (Zytostatika = auf die Zellteilung einwirkende Medikamente) und
Interferonen kann in bestimmten Fällen sinnvoll sein. All diese Maßnahmen gelten aber nur als lebensverlängernd. Wegen der AIDS-Erkrankung ist die Prognose für ein DKS sehr ungünstig. Bisher schwankt die Überlebenszeit, je nach Aggressivität des Tumors, zwischen einigen Monaten bis hin zu drei Jahren.
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Non-Hodgkin-Lymphome (NHL)
Bei Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) handelt es sich um bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems. Das lymphatische System ist ein Netzwerk von Gefäßen und Kanälen, die eine zellarme Flüssigkeit, die Lymphe transportieren. Dazu gehören auch noch lymphatische Organe wie Lymphknoten, Tonsillen, Milz, und Thymus. Das lymphatische System ist neben dem Knochenmark eine wichtige Grundlage für ein funktionierendes Immunsystem.
Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass krankhafte Veränderungen im Erbgut (
Chromosomen) der Auslöser für NHL sind. Die Wahrscheinlichkeit, an dieser Erkrankung zu leiden, steigt mit dem Alter an. HIV-Infizierte haben ein 60-fach erhöhtes Risiko. Symptome sind zunächst schmerzlose Lymphknotenvergrößerungen. Im Verlauf der Krankheit können noch Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Sodbrennen sowie eine erhöhte Infektanfälligkeit auftreten. In seltenen Fällen kommen Fieber, Nachtschweiß oder Gewichtsabnahme hinzu.
Bei HIV-Infizierten unterscheidet man zwischen 3 Formen der NHL:
Systemische (periphere) NHL: Hier sind hauptsächlich der Magen-Darm-Trakt, die Leber und die Lunge davon betroffen.
Primary-Effusion-Lymphome: Sie finden sich hauptsächlich im Brustzwischenraum (Pleura) und Herzbeutel (Perikard).
Primäre Lymphome des Zentralnervensystems: Sie kommen fast nur bei fortgeschrittener Immunschwäche vor. Der Patient leidet unter Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen und Lähmungen.
Die genannten Erkrankungen werden bei HIV-Patienten im Rahmen der
HAART oft zusätzlich noch mit
Chemotherapie und
Interferonen behandelt.
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