Dieser Inhalt benötigt den Adobe Flash Player. Diesen können Sie unter http://www.adobe.com/go/getflashplayer kostenlos herunterladen.
descriptionGrafik: HI-Virus
Entwarnung ist nicht in Sicht. Obwohl es viele Informationsmöglichkeiten über die globale Epidemie AIDS gibt, nimmt die Zahl der HIV-Neuinfizierten wieder zu.
descriptionZentrifuge im Labor
Tückisch: Bis sich die Infektion mit grippeähnlichen Beschwerden zeigt, können wenige Wochen, aber auch 20 Jahre vergehen. Zwei Bluttests schaffen Klarheit.
descriptionFrau nimmt Tablette
AIDS ist immer noch unheilbar. Hochwirksame Medikamente können jedoch die Menge der Viren in Schach halten – falls das Virus nicht dagegen resistent wird.
descriptionMann im Wartezimmer
Sport, reisen, Sex - das muss bei einer HIV-Infektion nicht tabu sein. Unverzichtbar sind Verantwortungsbewusstsein für sich und andere sowie eine gesunde Lebensweise.
descriptionKondom
Sex ist die häufigste Ansteckungsquelle bei HIV. Konsequenter Schutz bei Oral-, Vaginal- und Analverkehr ist die wichtigste Vorbeugemaßnahme.
  • Schriftgröße normal
  • Schriftgröße mittel
  • Schriftgröße maximal

Infiziert mit HIV – was tun?

Fakt ist, dass AIDS unbehandelt tödlich verläuft. Fakt ist aber auch, dass die Wissenschaft inzwischen eine ganze Reihe von hochwirksamen Substanzen entwickelt hat, die das Virus auf unterschiedliche Weise an seiner Vermehrung und Ausbreitung hemmen können. Damit lassen sich Symptome der Infektion abschwächen und eine Verschlechterung über viele Jahre hinweg hinauszögern. Allerdings kann es im Laufe der Therapie dazu kommen, dass das Virus nicht mehr auf die Behandlung anspricht. Trotzdem gibt es Hoffnung: Weltweit forschen Experten nach effektiveren Hilfen. Neben neuen Medikamenten ist das in erster Linie ein Impfstoff.


Im Überblick



Wenn ein Patient ein definitiv positives HIV-Testergebnis erhält, folgt ein eingehendes Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Hier geht es dann nicht nur um die Erstellung eines Behandlungsplans, sondern auch um Tipps und Regeln für den neuen Lebensabschnitt. Zunächst stellt der Arzt das genaue Stadium der Infektion fest. Hiervon hängt die weitergehende Therapie ab.

Bei dieser ersten eingehenden Untersuchung wird eine Vielzahl von Laborwerten ermittelt: Ein besonders wichtiger Wert ist hierbei die Zahl der sogenannten CD4+-T-Lymphozyten (T-Helferzellen), die bei einem gesunden Menschen normalerweise zwischen 600 und 1.000 liegt. Mit fortschreitender Erkrankung nimmt die Zahl der Helferzellen immer weiter ab. Im Zuge dieser Untersuchung sucht der Spezialist auch nach klinischen Zeichen von weiteren Infektionen wie etwa Fieber oder Lymphknotenschwellungen. Zugleich stellt er fest, ob der Patient an Krankheiten wie Hepatitis oder Toxoplasmose leidet oder schon gelitten hat. Auch hiervon hängt die Art der zukünftigen Therapie ab. HIV/AIDS ist bis heute unheilbar – jedoch ermöglicht eine regelmäßige, medizinisch kompetente Untersuchung und Betreuung eine erhebliche Lebensverlängerung für HIV-Patienten.

Die ärztliche Schweigepflicht schützt Patienten davor, dass ihre HIV-Infektion ohne ihre Zustimmung öffentlich gemacht wird: Sämtliche Informationen über die Erkrankung dürfen von Ärzten und ihrem Personal nicht an Dritte weitergegeben werden. Verstöße werden mit erheblichen Strafen geahndet. Es besteht für den Arzt jedoch eine nichtnamentliche Meldepflicht der HIV-Infektion.
↑ nach oben

Die antiretrovirale Therapie

Viele Menschen mit HIV – vor allem jene, die keine Symptome einer HIV-Infektion haben – glauben, ohne Medikamente auskommen zu können. Sie fühlen sich gesund. Doch wie lange hält dieser Zustand an? Im Durchschnitt entwickelt sich bei einem in Mitteleuropa lebenden Menschen mit HIV, der keine antiretrovirale Therapie erhält, nach etwa zehn Jahren das Vollbild AIDS, und er stirbt daran etwa vier Jahre später.

Das Ziel einer antiretroviralen Therapie ist es, das Leben der Infizierten zu verlängern und die Lebensqualität zu verbessern, indem gezielt Symptome gemildert werden. Die im Blut vorhandene Menge an HI-Viren (Viruslast) ist dabei eine wichtige Komponente, mit der das Fortschreiten der Erkrankung kontrolliert werden kann. Eine antiretrovirale Therapie richtet sich gegen eine Vermehrung dieser Viren im Körper. Hochwirksame Substanzen reduzieren die Anzahl der HI-Viren, das heißt die sogenannte Viruslast im Körper wird gesenkt.

Allerdings hängt der Erfolg der antiretroviralen Therapie maßgeblich von der konsequenten Einnahme der Medikamente ab. Leider haben die Medikamente, die zur antiretroviralen Therapie bei HIV eingesetzt werden, Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden und andere Unverträglichkeitsreaktionen, die es dem Patienten oft schwer machen, eine regelmäßige Einnahme einzuhalten. Es gibt allerdings mittlerweile sehr gute Wirkstoffe, um auch diese Nebenwirkungen so weit wie möglich abzumildern.

Antiretrovirale Kombinationstherapie HAART
Die heute erfolgversprechendste Therapie ist die hoch aktive HAART (engl. Highly Active Antiretroviral Therapy) – heute auch cART (combined Anti-Retroviral- Therapy genannt. Es ist eine antiretrovirale Kombinationstherapie aus verschiedenen Medikamenten, die alle zum Ziel haben, die Viruslast im Körper zu senken. Diese Therapie wird heute standardmäßig angewendet. Eingesetzt werden dabei Nukleosidale Reverse Transkriptase Inhibitoren (NRTI), Nicht Nukleosidale Reverse Transkriptase Inhibitoren (NNRTI), Protease Inhibitoren (PI), Entry-Inhibitoren (Attachment-Inhibitoren, Ko-Rezeptorantagonisten und Fusions-Inhibitoren) und Integrase-Inhibitoren. Alle diese Substanzklassen setzen an unterschiedlichen Punkten des Vermehrungszyklus des HI-Virus an und schränken so dessen Verbreitung ein.

Mehr über die Antiretrovirale Kombinationstherapie erfahren Sie hier.
↑ nach oben

Probleme einer antiretroviralen Therapie

Resistenzentwicklung
Die antiretrovirale Therapie richtet sich gegen das HI-Virus selbst. Doch dieses Virus hat die Eigenschaft zu mutieren, das heißt es verändert seine genetischen Eigenschaften. Deshalb können schon kleine Veränderungen des HI-Virus zu einer Wirkungsverminderung oder einem Wirkungsverlust der Medikamente führen (Resistenzentwicklung). Schlimmstenfalls führen solche Mutationen zu einer sogenannten Multiresistenz gegen mehrere Medikamente.
Der Arzt muss nun andere Medikamentenkombinationen finden, was sich unter Umständen sehr schwierig gestaltet. Dieses Problem lässt sich verringern, indem man schon vom ersten Tag der Diagnose an die Virusmenge durch konsequente Medikamenteneinnahme reduziert. Unzureichende Wirkspiegel der Medikamente fördern die Resistenzbildung durch eine erhöhte Mutationsrate der HI-Viren.

Nebenwirkungen
Antiretrovirale Medikamente verursachen zahlreiche Nebenwirkungen. Zu den wichtigsten akuten Nebenwirkungen zählen:
  • Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse)
  • Leberinsuffizienz
  • Unverträglichkeitsreaktionen

↑ nach oben

Als Langzeitnebenwirkungen werden beobachtet:
  • Laktatazidose (Überschuss an Milchsäure im Blut)
  • Neuropathien (Nervenstörungen)
  • Störungen in der Fettverteilung, Abbau von Fettgewebe
  • Störungen im Blutzuckerstoffwechsel
  • Störungen im Fettstoffwechsel

↑ nach oben

Oft der letzte Ausweg: künstliche Ernährung

Im AIDS-Stadium magert der Patient oft stark ab – auch verschiedene Stoffwechselvorgänge können gestört sein. Das kann sich zu einer Mangelernährung ausweiten. Eine Mangelernährung kann dabei sowohl eine Gewichtsabnahme bedeuten (quantitative Mangelernährung) als auch das Fehlen von wichtigen Nährstoffen (qualitative Mangelernährung). Um eine Malnutrition mit ihren negativen Folgen zu vermeiden beziehungsweise zu beheben, kann eine künstliche Ernährung notwendig werden.

Über die Notwendigkeit, die Art und Dauer einer künstlichen Ernährung entscheidet der behandelnde Arzt gemeinsam mit dem Betroffenen und seinen Angehörigen. Teilweise übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine geplante Ernährungstherapie.
↑ nach oben

Dose mit Tabletten
© Shutterstock
Konsequenz ist lebenswichtig: Obwohl sie oft kaum Symptome haben, sollten HIV-Infizierte auf die konsequente Einnahme ihrer Medikamente achten. Nur so kann eine erhebliche Lebensverlängerung erreicht werden.
Grafik: Virusvermehrung
© Daniel Beyer/GnuFreeDocumentationLicense
Komplexe Medikation für ein raffiniertes Virus: Die antiretroviralen Medikamente in der HIV-Therapie wirken an den Stellen, an denen das Virus die Erbinformation der Wirtszelle umprogrammiert und sie dazu zwingt, neue Viren zu produzieren (Grafik oben: Vermehrungszyklus des HI-Virus).