Infiziert mit HIV – was tun?
Fakt ist, dass AIDS unbehandelt tödlich verläuft. Fakt ist aber auch, dass die Wissenschaft inzwischen eine ganze Reihe von hochwirksamen Substanzen entwickelt hat, die das Virus auf unterschiedliche Weise an seiner Vermehrung und Ausbreitung hemmen können. Damit lassen sich Symptome der Infektion abschwächen und eine Verschlechterung über viele Jahre hinweg hinauszögern. Allerdings kann es im Laufe der Therapie dazu kommen, dass das Virus nicht mehr auf die Behandlung anspricht. Trotzdem gibt es Hoffnung: Fieberhaft forschen Experten weltweit nach effektiveren Hilfen. Neben neuen Medikamenten ist das in erster Linie ein Impfstoff.Im Überblick
Wenn ein Patient ein definitiv positives HIV-Testergebnis erhält, sollte in jedem Fall ein eingehendes Gespräch mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Hier geht es dann nicht nur um die Erstellung eines Behandlungsplans, sondern auch um Tipps und Regeln für den neuen Lebensabschnitt. Zunächst stellt der Arzt das genaue Stadium der Infektion fest. Hiervon hängt die weitergehende Therapie ab.
Bei dieser ersten eingehenden Untersuchung wird eine Vielzahl von Laborwerten ermittelt: Ein besonders wichtiger Wert ist hierbei die Zahl der sogenannten CD4-T-Lymphozyten (T-Helferzellen), die bei einem gesunden Menschen normalerweise zwischen 600 und 1.000 liegt. Mit fortschreitender Erkrankung nimmt die Zahl der Helferzellen immer weiter ab. Im Zuge dieser Untersuchung sucht der Spezialist auch nach klinischen Zeichen von weiteren
Infektionen, wie etwa Fieber oder Lymphknotenschwellungen. Zugleich stellt er fest, ob der Patient an Krankheiten wie Hepatitis oder Toxoplasmose leidet oder schon gelitten hat. Auch hiervon hängt die Art der zukünftigen Therapie ab. HIV/AIDS ist bis heute unheilbar – jedoch ermöglicht eine regelmäßige, medizinisch kompetente Untersuchung und Betreuung eine erhebliche Lebensverlängerung für HIV-Patienten.
Die ärztliche Schweigepflicht schützt Patienten davor, dass ihre HIV-Infektion ohne ihre Zustimmung öffentlich gemacht wird: Sämtliche Informationen über die Erkrankung dürfen von Ärzten und ihrem Personal nicht an Dritte weitergegeben werden. Verstöße werden mit erheblichen Strafen geahndet. Es besteht für den Arzt jedoch eine nichtnamentliche Meldepflicht der HIV-Infektion.
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Die antiretrovirale Therapie
Viele Menschen mit HIV – vor allem jene, die keine Symptome einer HIV-Infektion haben – glauben, ohne Medikamente auskommen zu können. Sie fühlen sich gesund. Doch wie lange hält dieser Zustand an? Im Durchschnitt entwickelt sich bei einem in Mitteleuropa lebenden Menschen mit HIV, der keine antiretrovirale Therapie erhält, nach etwa zehn Jahren das Vollbild AIDS, und er stirbt daran etwa vier Jahre später.
Das Ziel einer antiretroviralen Therapie ist die Lebensverlängerung sowie eine Anhebung der Lebensqualität durch gezielte Abschwächung der Symptome. Die im Blut vorhandene Menge an HI-Viren (Viruslast) ist dabei eine wichtige Komponente, mit der das Fortschreiten der Erkrankung nachgezeichnet werden kann. Eine antiretrovirale Therapie richtet sich gegen eine Vermehrung dieser Viren im Körper. Hochwirksame Substanzen reduzieren die Anzahl der HI-Viren, d. h. die sogenannte Viruslast im Körper wird gesenkt.
Allerdings hängt der Erfolg der antiretroviralen Therapie stark von der konsequenten Einnahme der Medikamente ab. Leider haben die Medikamente, die zur antiretroviralen Therapie bei HIV eingesetzt werden, viele Nebenwirkungen, wie beispielsweise Kopfschmerzen, Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden und andere Unverträglichkeitsreaktionen, die es dem Patienten oft schwer machen, eine regelmäßige Einnahme einzuhalten. Es gibt allerdings mittlerweile sehr gute Wirkstoffe, um auch diese Nebenwirkungen so weit wie möglich einzuschränken.
Antiretrovirale Kombinationstherapie HAART Die heute erfolgversprechendste Therapie ist die hoch aktive
HAART (engl.
Highly
Active
Anti
retroviral
Therapy). Es ist eine antiretrovirale Kombinationstherapie aus verschiedenen Medikamenten, die alle zum Ziel haben, die Viruslast im Körper zu senken. Diese Therapie wird heute standardmäßig angewendet. Eingesetzt werden dabei
Nukleosidale
Reverse
Transkriptase
Inhibitoren (NRTI), Nicht Nukleosidale Reverse Transkriptase Inhibitoren (NNRTI) sowie
Protease
Inhibitoren (PI):
Nukleosidale Reverse Transkriptase Hemmer Medikamente dieser Substanzklasse hemmen die Reverse Transkriptase, die die virale RNA in „virale“ DNA umschreibt und so erst die Möglichkeit zum Einbau von der Viruserbinformation in den menschlichen Zellkern bietet. Reverse-Transkriptase-Hemmer werden in der HIV-Therapie schon seit 1986 eingesetzt. Es gibt auch Kombipräparate mit mehreren Wirkstoffen in einem Medikament.
Nicht Nukleosidale Reverse Transkriptase Hemmer (NNRTI) Medikamente dieser Substanzklasse hemmen ebenfalls die Reverse Transkriptase. Sie werden synthetisch hergestellt, im Gegensatz zu den NRTI, die natürlichen Zellbausteinen (Nukleosiden) nachempfunden sind. Auch ihr Ziel ist es, die Viruslast zu senken. Das erreichen die NNRTI auf anderem Wege als die NRTI, mit einem entscheidenden Vorteil: Sie wirken auch dann noch, wenn die HI-Viren bereits gegen die NRTI resistent sind. Der Nachteil: Wenn die Viren gegen ein Medikament der NNRTI-Gruppe resistent werden, wirken die anderen Substanzen der gleichen Gruppe auch nicht mehr (Kreuzresistenz). Als Nebenwirkungen werden oft Hautausschläge und Störungen des Zentralen Nervensystems mit Symptomen wie Schwindel, Albträume und Depressionen beobachtet. Die Leberfunktion muss bei beiden Substanzen gut überwacht werden.
Proteasehemmer Sie hemmen einen Stoff (Protease), der für die Reifung von viralen Eiweißen verantwortlich ist. Viren, die unter Einwirkung dieser Medikamente entstehen, sind mit unreifem Eiweiß ausgestattet und können aus diesem Grund keine weiteren menschlichen Zellen infizieren.
Integrasehemmer Sie verhindern die Integration, das heißt den Einbau von Viruserbmasse in die menschliche Erbmasse.
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Probleme einer antiretroviralen Therapie
Resistenzentwicklung Die antiretrovirale Therapie richtet sich gegen das HI-Virus selbst. Doch dieses Virus hat die Eigenschaft zu mutieren, d. h. es verändert seine genetischen Eigenschaften. Deshalb können schon kleine Veränderungen des HI-Virus zu einer Wirkungsverminderung oder einem Wirkungsverlust der Medikamente führen (Resistenzentwicklung). Schlimmstenfalls führen solche Mutationen zu einer sogenannten Mulitresistenz gegen mehrere Medikamente.
Der Arzt muss nun andere Medikamentenkombinationen finden, was sich unter Umständen sehr schwierig gestalten kann. Dieses Problem lässt sich verringern, indem man schon vom ersten Tag der Diagnose an die Virusmenge durch konsequente Medikamenteneinnahme reduziert. Unzureichende Wirkspiegel der Medikamente fördern die Resistenzbildung durch eine erhöhte Mutationsrate der HI-Viren.
Nebenwirkungen Antiretrovirale Medikamente verursachen zahlreiche Nebenwirkungen. Zu den wichtigsten akuten Nebenwirkungen zählen:
- Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse)
- Leberinsuffizienz
- Unverträglichkeitsreaktionen
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Als Langzeitnebenwirkungen werden beobachtet:
- Laktatazidose (Überschuss an Milchsäure im Blut)
- Neuropathien (Nervenstörungen)
- Störungen in der Fettverteilung, Abbau von Fettgewebe
- Störungen im Blutzuckerstoffwechsel
- Störungen im Fettstoffwechsel
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Der Blick in die Zukunft: neue Therapieansätze
Zu den Medikamenten, die bei der antiretroviralen Therapie eingesetzt werden, gehören seit kurzem auch die sogenannten Entry-Inhibitoren, die eine Gruppe von drei unterschiedlichen Substanzen zusammenfassen. Damit das HI-Virus in die Zelle eindringen kann, sind drei Schritte nötig: Zuerst muss es an den CD-4-Zell-Rezeptor binden, dann an ein spezielles Protein, den Ko-Rezeptor, bevor es schließlich mit der Zelle verschmelzen und seine Erbinformation in diese einbringen kann. Alle diese drei Schritte lassen sich durch Medikamente hemmen. Schritt eins (der CD-4-Rezeptor) wird durch
Attachment-Inhibitoren blockiert, Schritt zwei (Ko-Rezeptor) durch Ko-Rezeptorantagonisten und Schritt drei (Verschmelzen mit der Zelle, auch Fusion genannt) durch Fusions-Inhibitoren. Alle drei Wirkstoffklassen werden zur Vereinfachung unter dem Begriff Entry-Inhibitoren zusammengefasst. Aus der Klasse der Fusions-Inhibitoren und der Ko-Rezeptorantagonisten gibt es bereits Medikamente auf dem Markt, die Attachment-Inhibitoren sind derzeit noch in der Erprobung.
Stichwort Impfung Wie auch in vielen anderen Ländern versuchen derzeit Forscher in Deutschland, Impfstoffe gegen HIV zu entwickeln. Ein Impfstoff der Universität Regensburg befindet sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium der klinischen Testphase. Wegen der ständigen
Mutation des HI-Virus gestaltet sich das Vorhaben der Wissenschaftler jedoch schwierig. Deshalb haben sie einen Impfstoff entworfen, der das Virus an mehreren Stellen gleichzeitig angreift. Mit dem fertig produzierten Impfstoff ist aber frühestens in einigen Jahren zu rechnen.
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Oft der letzte Ausweg: künstliche Ernährung
Im AIDS-Stadium magert der Patient oft stark ab – auch verschiedene Stoffwechselvorgänge können gestört sein. Dies kann sich zu einer Mangelernährung (
Malnutrition) ausweiten. Eine Mangelernährung kann dabei sowohl eine Gewichtsabnahme bedeuten (
quantitative Mangelernährung) als auch das Fehlen von wichtigen Nährstoffen (
qualitative Mangelernährung). Um eine
Malnutrition mit ihren negativen Folgen zu vermeiden bzw. zu beheben, kann eine künstliche Ernährung notwendig werden.
Über die Notwendigkeit, die Art und Dauer einer künstlichen Ernährung entscheidet Ihr behandelnder Arzt gemeinsam mit Ihnen und Ihren Angehörigen. Fragen Sie ihn auch, ob Ihre Krankenkasse die
Kosten für eine geplante Ernährungstherapie übernimmt.
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